Adhärenz verbessern mit Apps: Wunsch & Wirklichkeit

Unter dem Thema - Digitalisierung als Bindeglied zwischen Patient, Spital, Arzt und Apotheke haben bei der Veranstaltung eMedikation am Universitätsklinikum Balgrist in Zürich über 100 Apotheker, Ärzte und Entscheider über Chancen, Risiken und pragmatische Wege diskutiert, um Digitalisierung der Gesundheit zum Wohle von Patienten zu entwickeln. Der Fokus lag dabei auf der Verbesserung der Arzneimittelsicherheit und Medikamentenadhärenz.

Dr. Ursula Kramer, die Präsidentin von HealthOn e. V. und Gründerin der größten, unabhängigen Informationsplattform für Gesundheits-Apps in Deutschland, zeigte auf, dass die Nutzung von Medikations-Apps bisher weit hinter dem theoretischen Nutzerpotential zurückbleibt (1). Neben der Schaffung geeigneter Rahmenbedigungen für die Integration von Patientendaten aus Gesundheits-Apps in die Regelversorgung betonte Frau Dr. Kramer in ihrem Vortrag die Bedeutung der Digital Health Literacy, um die Potentiale von Health-Apps in der Arzneimittelversorgung zu heben.

"Grundsätzlich ist es in Deutschland und der Schweiz schlecht bestellt um die Gesundheitskompetenz der Bürger (2). Die Digitalisierung wird das Problem weiter verschärfen, denn als Hürde kommt die Technik hinzu, die für den Zugang zu digitalen Gesundheitsangeboten bzw. -informationen zunehmend von Bedeutung ist. Deshalb ist die Förderung der Digital Health Literacy so wichtig, Nutzer müssen verstehen, woher das Riiko einer Gesundheits-App kommt, d. h. welche Gefahren von einer App ausgehen, z. B. durch Falsch- oder Fehlinformation oder durch die Verletzung der Privatspähre bzw. die unberechtigte Nutzung personenbezogener Gesundheitsdaten durch Dritte."

Neben der Technik ergeben sich die weit größeren Herausforderungen aus den Veränderungsprozessen an sich, die von und mit Menschen gestaltet werden müssen (Change Management). Nur wer in der Lage ist, neue digitale Möglichkeiten zu verstehen und zu nutzen, wird sie zum eigenen Wohl anwenden können. Intransparenz über die Qualität des Angebotes schafft Unsicherheit und schürt Vorbehalte. Deshalb sind Hilfen zur Orientierung so wichtig, nicht nur für Patienten und Verbraucher, sondern auch für Ärzte, damit diese digitale Gesundheits-Anwendungen mit gutem Gewissen empfehlen können.

Vertrauen ist die Vorausetzung für Akzeptanz und damit auch für die Nutzung von digitalen Gesundheitsanwendungen als Bausteine in der Gesundheitsversorgung. Und weil Intransparenz die Vertraunensbildung hindert, sind Orientierungsplattformen wie HealthOn, die alle Stakeholder einbeziehen, so wichtig. Alleine in Deutschland werden die Potentiale der Digitaliierung auf 39 Mrd. € pro Jahr bzw. 12 % der Gesundheitskosten geschätzt (3).

Als Beitrag zur Förderung der Digital Health Literacy stellte die Healthcare-Expertin eine Checkliste zur Risikoklassifizierung von Gesundheits-Apps vor und erläuterte die Parameter, die in die Kalkulation der Risikoklassen einfließen. "Jeder Nutzer kann sich damit ein Bild vom Risiko einer Gesundheits-App machen und lernt, auf die neuralgischen Punkte zu achten, um vertrauenswürdige Angebote zu finden."

Für Ärzte zählen auch Fragen des objektiven Bedarfs und des wissenschaftlich gesicherten Nutzens von Gesundheits-Apps, HealthOn bietet in einer Expertenview deshalb auch Einblick in Daten zu wissenschaflichten Studien bzw. zur Evaluation von Apps in Pilotprojekten.

Vortrag: Mobile Apps zum Management der Medikation, Dr. Ursula Kramer, HealthOn e. V., 17.05.2017, eMedikation, Universitätsklinik Balgrist, Zürich

Quellen:

  1. Adhärenz verbessern mit App: Wunsch und Wirklichkeit, HealthOn, Mai 2017
  2. Schaeffer D, Berens EM, Vogt D: Health Literacy in the German population – resultsof a representativesurvey. Dtsch Arztebl Int 2017; 114:53-60. DOI: 10.3238/arztebl.2017.0053
  3. Effizienzpotentiale durch eHealth: PwC-Studie im Auftrag von CompuGroup Medical & bvitg e. V. , 4/2017

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