Orientierung durch Qualitätssiegel: Ja, aber...

Am Beispiel deutschsprachiger Diabetes-Apps beschreibt Dr. Ursula Kramer in einer aktuellen Publikation (1) ganz konkret, wie es möglich ist, dem Wildwuchs und der Intransparenz im Markt der Gesundheits- und Medizin-Apps zum Wohl der Anwender, d. h. Patienten und Verbraucher Herr zu werden.

  • Ein Schulterschluss der verschiedenen medizinsichen Fachgesellschaften ist ebenso wichtig, wie die Einbindung der Patientenorganisationen. Es macht wenig Sinn, wenn jede Fachgesellschaft ihre eigenes Siegel kreiiert und dann nicht in der Lage ist, in vernünftiger Zeit das Marktangebot zu überprüfen.

Es gibt ein Prüfsiegel vom TÜV Saarland -"Geprüft App", es gibt ein Siegel der Deutschen Diabetesgesellschaft DDG - DiaDigital, es gibt CE-gekennzeichnete Gesundheits-Apps, es gibt den HealthOn Ehrenkodex, der sich an den wissenschaftlichen Standards der Guten Praxis Gesundheitsinformation orientiert.

Damit Orientierung geschaffen werden kann, sollte es den Anwendern möglich sein zu erkennen, was bei jedem Zertifikat  geprüft wird und welche Schlussfolgerungen sich daraus für die Qualität der Apps ableiten lassen und was Qualität in diesem Kontext jeweils heißt. Sonst gehen Nutzer von falschen Voraussetzungen aus. Die vermeintliche Qualität - TÜV-Zertifizierung einer App - kann falsch verstanden werden und sogar zu Anwendungsfehlern führen, wie das jüngste Beispiel der CE-zertifizierten Verhüftungs-App Natural Cycles zeigt. Das Ausmaß der Verwirrung ist groß. Details auf HealthOn: Wie sicher sind CE-zertifizierte Medizin-Apps?

Quellen:

Kramer, U. Gesundheits-Apps: Wie kann eine Zertifizierung konkret aussehen? Diabetes aktuell 2017; 15(08): 344-348

Zurück