Symposium Telemedizin 123. Internistenkongress in Mannheim

Die Digitalisierung klopft vehement auch an die Tür der Gesundheitsversorgung. Ärzte sehen und nutzen bereits heute die Möglichkeiten, mit Patienten ganz unkompliziert über Whatsup zu kommunizieren, z. B. Nachrichten auszutauschen oder die Wundheilung anhand von Fotos einzuschätzen. Sie wundern sich über die langsamen Prozesse bei der Einführung der Telematikinfrastruktur (TI) und zeigen bei der Diskussion in Mannheim wenig Verständnis, warum es noch bis Januar 2019 dauern wird, bis z. B. die Voraussetzung für eine elektronische Patientenakte geschaffen sein werden (1). Erst dann soll es in Deutschland flächenedeckend möglich werden, Behandlungsdaten innerhalb der Telematikinfrastruktur zwischen den verschiedenen Behandlern auszutauschen. Wie die Anbindung des Patienten erfolgen kann, d. h. der Zugriff auf Patientendaten über Smartphone, Tablets oder den heimischen Computer (2), ist noch unklar.
Um die Effizienzpotentiale der Digitalisierung im Gesundheitswesen zu heben, die in einer aktuellen Studie auf 39 Mrd. Euro beziffert werden (3), ist aber genau dieser Austausch von Daten (Interoperabilität) über Sektorengrenzen und unter Einbeziehung des Patienten erforderlich.

Evaluationsmethoden heterogen, Publikation der Ergebnisse lückenhaft

Kleinere Telemedizinrojekte gibt es sehr viele. Nur wenige untersuchen, wie eine ganze Region angebunden und von der Nutzung telemedizinischer Versorgungsansätze profitieren kann (4). Um wirksame Ansätze zu identifizieren und diese dann in der Fläche auszurollen, kommt der Evaluation eine große Bedeutung zu. Im Moment sind die Methoden zur Evaluation telemedizinsicher Projekte sehr heterogen, die Ergebnisse werden nur lückenhaft veröffentlicht, was die Transparenz erschwert. Mittlerweile stehen evidenzbasierte, konsentierte Evaluationsrichtlinien zur Verfügung (5). Ihre Anwendung erleichtert den Vergleich von Projekten ebenso wie die Veröffentlichung telemedizinischer Projekte in einer Datenbank der Versorgungsforschung (6). Ziel muss es sein, Ressourcen zielgerichteter einzusetzen und die wirksamsten telemedizinsichen Ansätze zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung schneller zu identifizieren.

Auch dem Ausbau der Digital Health Literacy kommt große Bedeutung zu. Der Zugang zu digitalen Formen der Gesundheitsversorgung erfordert Aufklärung über Chancen und über den verantwortlichen Umgang mit Risiken - sowohl Verbraucher und Patienten als auch Therapeuten müssen die neuen Möglichkeiten nutzen können, damit von diesen der erwartete Nutzen ausgehen kann.

Telemedizin in Klinik und Praxis – Chancen und Risiken der neuen digitalen Anwendungen. Technische Voraussetzungen & Evaluation, Dr. Ursula Kramer- DGIM Mannheim 2017

Quellen

  1. Weiterentwicklung der eHealth-Strategie: PwC-Studie im Auftrag des BMG, 10/2016
  2. Deutscher Bundestag, Drucksache 18/11870. Einführung der Gesundheitskarte. Aus dem Prüfbericht über die Einbeziehung von Endgeräten der Versicherten
  3. Effizienzpotentiale durch eHealth: PwC-Studie im Auftrag von CompuGroup Medical und bvitg e. V. 4/2017
  4. http://www.telehealth-ostsachsen.de/
  5. Arnold K, Scheibe M, Müller O, Schmitt J und die CCS THOS Konsensgruppe (2016) Grundsätze für die Evaluation telemedizinischer Anwendungen - Ergebnisse eines systematischen Reviews und Konsens-Verfahrens. Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen (ZEFQ) 117:9-19.
  6. www.versorgungsforschung-deutschland.de

Zurück